AUA ist jetzt Teil der Lufthansa
derStandard - 03. August 2009, 18:03
Die Lufthansa nimmt die Austrian Airlines nun offiziell unter ihre Fittiche. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber setzte in Wien die letzten Unterschriften unter die Verträge
Wien - Blitzlichtgewitter vor dem Eingang zur Pressekonferenz am Flughafen Wien. Lufthansa-Boss Wolfgang Mayrhuber versucht, sich einen Weg durch die Fotografenmenge im Office Park 3 zu bahnen anlässlich der offiziellen Übernahme der AUA. Das gleiche Bild im Saal: Blitzlichtgewitter vor dem Podium, eine geschlossene Reihe Fernsehkameras im hinteren Teil des Raumes. Bis es hieß: "Bitte Platz zu nehmen."
Und dann tat ÖIAG-Chef und bisheriger AUA-Aufsichtsratschef Peter Michaelis das, was er immer in solchen Situationen zu tun pflegt: Er las mit honoriger Stimme wohldosierte Sätze vom Blatt ab: "Ich bin bewegt, weil etwas wichtiges für Österreich geschaffen wurde." Der AUA-Verkauf sei die "komplizierteste Transaktion" der ÖIAG bisher. "Ich bin aber sicher, dass wir für die AUA keinen besseren Partner finden konnten. Die Unsicherheit der letzten Monate ist aber zu Ende, und die Zukunft der AUA ist nachhaltig gesichert."
Bessere Performance - Mayrhuber hatte anschließend eindeutig die bessere Performance: Er sprach frei, hielt sich nicht verkrampft an einem Zettel fest, war souverän, gelassen und freundlich. Details, worauf sich die AUA in den nächsten Wochen und Monaten wird einstellen müssen oder wie es weitergeht, blieb er zwar (noch) schuldig. Aber er beschrieb den Status quo der AUA: "Abbau, Umbau, Aufbau." Derzeit sei man zwar noch in der Abbauphase, aber er hoffe, dass diese Phase rasch beendet sein werde.
Die AUA, so Mayrhuber, habe kein Produktproblem, sie habe ein Kostenproblem. Im Unterschied zu derzeit sollte es der AUA bereits 2010 gelingen, kein "Geld mehr zu verbrennen" . Ziel sei es, ein operatives Ergebnis einzufahren, das es der AUA wieder ermöglicht, Investitionen zu tätigen. Auf die Frage des Standard, ob der Staat auf den im Kaufvertrag fixierten Besserungsschein hoffen darf, sagte Michaelis, "man soll die Hoffnung nicht aufgeben" . Nachfrage: Ist der Besserungsschein realistisch? Keine Antwort, nur betretenes Schweigen.
Schauen Sie, sagte Mayrhuber ganz lässig: "Wir wollen ja rote Uniformen, aber wir wollen keine roten Zahlen." Stefan Lauer, neuer AUA-Aufsichtsratspräsident und im Lufthansa-Vorstand für Beteiligungen und Personal zuständig, kündigte an, "ein aktiver Aufsichtsratspräsident zu sein" . Ob sich der Vorstand, Andreas Bierwirth und Peter Malanik vor wöchentlichen Rapports fürchten müssen? Nein, beruhigte Lauer, es gebe ein Integrationsteam, mit dem man eng zusammenarbeite, und es werde ganz normal viermal im Jahr Aufsichtsratssitzungen geben. Ganz so simpel dürfte es nicht werden, scherzte Mayrhuber zwischendurch, schließlich habe Lauer "nicht nur seinen Kopf, sondern auch sein Herz an Wien verloren" .
Langstrecke bleibt- In den nächsten vier bis sechs Wochen wollen sich alle Beteiligten ein Bild machen und dann Entscheidungen treffen - und veröffentlichen. Im Moment, so Mayrhuber, sie es das Ziel, die Langstrecke zu halten, Ähnliches gelte im Linienverkehr, einzelne Streckenstreichungen seien aber möglich. Die Auflage der EU-Kommission, 15 Prozent der Kapazität zurückzunehmen, sei ja bereits großteils umgesetzt. Schließlich dürfe die AUA, so die Auflage, ja auch erst wieder wachsen, sobald sie schwarze Zahlen schreibt.
Bis dahin ist es aber noch ein steiniger Weg. In einem Schreiben Mayrhubers an die AUA-Mitarbeiter, das dem Standard vorliegt, heißt es: "Die AUA ist inzwischen mitten im Turnaround. Auch wenn es sich in den Ergebnissen noch nicht ausreichend niederschlägt. Der Sanierungskurs muss konsequent fortgesetzt werden. Es werden harte Einschnitte nötig sein, damit wir mit Austrian wieder schwarze Zahlen schreiben können. Einige haben in diesen Tagen bereits die Kündigung erhalten. Dieser Weg ist bitter, aber ohne nachhaltige Kostenreduzierung, ohne Redimensionierung, ohne Restrukturierung und ohne Arbeitsplatzabbau, wäre eine Herstellung der Wirtschaftlichkeit nicht mehr zu schaffen." Straff war am Donnerstag auch der Terminplan der beiden Lufthansa-Vorstände: am Vormittag Landung in Wien, dann Mitarbeiter-Information in der Werft, anschließend Pressekonferenz mit Vertragssignierung. Es folgte ein Führungskräfte-Meeting, die Aufsichtsratssitzung - und Abflug. (Claudia Ruff, DER STANDARD)
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